Schwarz-/Weiß-Bilder einfärben (kolorieren)

Alle, die noch alte Schwarz-/Weiß-Aufnahmen haben, und diese einfärben (oder auf Neudeutsch “kolorieren”) wollen, sind hier genau richtig! Zunächst aber mal eines vorweg: Fotos sind in der Regel keine Schwarz-/Weiß- sondern Graustufen-Bilder. Und bevor eine weitere beliebte Frage zu diesem Thema aufkommt: Nein, es gibt kein Programm, welches Graustufenbilder automatisch auf Knopfdruck einfärbt. Und ein solches Programm wird es wahrscheinlich auch nie geben. Der Grund dafür ist einfach: Es gibt mehr Farben als Graustufen, wodurch verschiedene Farben den gleichen Graustufenwert haben.

In diesem Bild seht Ihr die Farben Rot (RGB: 255,0,0) und Grün (RGB: 0,255,0), wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Fahrt Ihr mit der Maus über das Bild, wird es entsättigt, also in Graustufen umgewandelt, und Ihr habt nur noch eine einzige Graue Fläche, da Rot und Grün den gleichen Graustufenwert haben. Und wie soll ein Programm automatisch z. B. einen roten Rosenbusch auf einer grünen Wiese unterscheiden können?

Farbe
Graustufen
  1. rotgruen
  2. rotgrueningrau

Das nächste Problem ist die Trennung von verschiedenen Objekten im Bild (wer schon einmal versucht hat, Haare freizustellen, weiß, wovon ich spreche). Wenn es keine klaren Konturen zwischen den einzelnen Objekten gibt, sondern die Übergänge “verschwimmen” wird es für ein Programm ebenfalls schwierig bis unmöglich, diese von einander abzugrenzen. Es ist also immer “menschliches” eingreifen erforderlich, um vernünftige Ergebnisse zu erzielen. Und genau das wollen wir jetzt mit Photoshop in Angriff nehmen.

Als Erstes öffnet Ihr Euer Graustufenbild. Da diese Formate meistens auch in Graustufen abgespeichert sind, müssen wir es in ein Farbbild konvertieren. Wählt dazu Bild ⇒ Modus ⇒ RGB-Farbe.

Außerdem habe ich zu dem Thema „Schwarz-/Weiß-Bilder automatisch einfärben“ ein Video erstellt, in dem dieser Frage nochmals nachgegangen und (hoffentlich) beantwortet wird:

Am Bild selber werdet Ihr noch keinen Unterschied bemerken, aber durch die Umstellung ist es jetzt möglich Farben statt Graustufen zu benutzen, was beim kolorieren recht Hilfreich ist 😀 . Als nächstes schnappt Ihr euch aus der Werkzeugpalette das Lasso-Werkzeug  oder benutzt einfach den Shortcut [ Strg L ]. Damit werden alle zusammen gehörende Bereiche im Bild Grob markiert, wie in meinem Beispiel der Pullover:

Wenn Ihr, wie ich, keinen zusammen hängenden Bereich markiert, sondern mehrere Kleinere, dann müsst Ihr in der Options-Leiste für das Lasso-Werkzeug die Option “Der Auswahl hinzufügen” anwählen oder Ihr markiert die weiteren Bereiche mit gedrückter [ Shift ]-Taste (mit gedrückter [ Alt ]-Taste lassen sich Bereiche von der Auswahl abziehen). Wenn Ihr soweit alles markiert habt, erstellt aus der Auswahl eine neue Ebene, indem Ihr entweder mit der rechten Maustaste in den markieren Bereich klickt und “Ebene durch Kopieren” wählt oder einfach den Shortcut [ Strg J ] benutzt.

Falls Ihr es noch nicht habt, blendet jetzt über Fenster ⇒ Korrekturen die Korrekturen-Palette ein und klickt mit gedrückter [ Alt ]-Taste auf das Farbton/Sättigung-Symbol , woraufhin der folgende Dialog erscheint:

Hier ist es wichtig, den Haken bei “Schnittmaske aus vorheriger Ebene erstellen” zu setzen, da sich die Färbung sonst auf das gesamte Bild und nicht nur auf die markierten Bereiche auswirkt. Wenn Ihr das Eigenschaften-Fenster nicht seht, müsste Ihr es Euch über Fenster ⇒ Eigenschaften einblenden. Dort setzt Ihr bei “Färben” den Haken und stellt Farbton, Sättigung und Helligkeit entsprechend nach Euren Wünschen ein. Die Änderungen werden auch schon direkt in Eurem Bild angezeigt.

Jetzt kommt der Feinschliff: Wählt die Ebene mit den Bildausschnitten aus und erstellt dort eine Ebenenmaske durch Klick auf das entsprechende Symbol  in der Ebenen-Palette. In der Ebenenmaske könnt Ihr mit einem Pinsel mit schwarzer Farbe Bereiche aus- und mit weißer Farbe wieder einblenden. So malt Ihr jetzt sämtliche Konturen nach. Ihr könnt auch Verläufe erstellen, indem Ihr mit Graustufen oder einer geringeren Deckkraft arbeitet. Zwischen den Farben (Schwarz und Weiß) wechselt Ihr einfach mit der Taste [ X ].

Wenn Ihr dann soweit seid, wählt wieder die Hintergrund-Ebene aus, aktiviert das Lasso-Werkzeug und der ganze Spaß beginnt wieder von vorne. Um nicht durcheinander zu kommen, solltet Ihr den einzelnen Ebenen Namen verpassen, indem Ihr auf den Ebenen-Namen (Standard: “Ebene 1″, “Ebene 2″, usw.) einen Doppelklick macht und einen neuen Namen eingebt. Bei mehreren Ebenen, die zu einem Objekt gehören, wie in diesem Beispiel die Puppe, könnt Ihr auch eine Gruppe anlegen (Symbol in der Ebenen-Palette anklicken) und die entsprechenden Ebenen dort hinein ziehen.

Wenn Ihr nachträglich noch etwas zu einer Ebene hinzufügen wollt, ist es auch kein Problem: Einfach die Bereiche auf der Hintergrund-Ebene markieren und eine neue Ebene mit [ Strg J ] erstellen. Diese zieht Ihr in der Ebenen-Palette direkt über die Ebene, in die Ihr die Bereiche einfügen wollt und drückt [ Strg E ]. Dadurch wird die markierte und die darunter liegende Ebene zu einer Ebene zusammengefügt.

Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass Ihr die Farben nachträglich noch ändern könnt. Dazu klickt einfach auf “Farbton/Sättigung” direkt über der Ebene, die Ihr ändern wollt, und stellt die neuen Farben in der Eigenschaften-Palette ein. Und mit etwas Mühe und Geduld (und dem ein oder anderen Filter) lassen sich entsprechende Ergebnisse erzielen. Für das Bild aus diesem Beispiel habe ich ca. 2,5 Stunden gebraucht.

Und hier noch zwei weitere Beispiele:

3 Kommentare

  1. Diese Ausführungen haben mir sehr geholfen. Herzlichen Dank.
    Sie unterscheiden sich von anderen Beiträgen im Netz durch die Eleganz des Vorgehens.
    Darüber hinaus setzen sie bei einem SW-Bild an und nicht bei einem Farbbild, welches dann flau in Schwarz-Weiß konvertiert wird.

  2. Herzlichen Dank, für den Beitrag. Sehr verständlich geschrieben. 🤗
    Hab „Graustufenbilder“ meiner Urgroßeltern wo ich es gern mal versuchen wollte und bin auf ihren Beitrag gestoßen.
    LG Frenny

Schreibe einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.

Beitragskommentare